alle meine saiten zum klingen bringen

unter meiner haut liegen schwarze meere und vergessene kontinente, die niemand bereist hat. ich drehe euer lachen zu schablonen, um daran mein eigenens zu formen. wir häkeln uns satzenden und satzanfänge und füllen die hohlkörper mit wasser, das hat nämlich keine kalorien. und ich habe euch nicht gesagt etwas fehlt und meine fernweh nach anderen gewässern euch in die augen geschrieben. aber gestern, da habe ich meine meere angezündet und es blieb mir nichts. nichts. nur licht.

mark twain hat einmal gesagt, dass er begeistert zur welt gekommen ist. einer der momente, wenn musik nur noch licht ist, dann möchte ich sagen das verstehe ich. das bin ich. und mehr noch ich will meine zeit folglich nicht mit personen vergeuden, die diese begeisterung verlernt haben.

euere feuer sind nicht erloschen, es findet sich immer irgendwo glut, aber es ist selten sinnvoll, daran herumzustochern, sie zu zerstochern, es braucht nur ein einziges neues streichholz, denn hör, aus einem baum kann man tausende von streichhölzern schneiden, aber mit einem streichholz kann man einen ganzen wald abfakeln. und das will ich versuchen, samstags: glut zu finden.

ich häkle mir wärmflaschenbezüge für meine gefühle, meine adjektive sind in ihrem überfluss doch nur fragiles garn, meine füllwörter graue wolle. aber meine verben und nomen sind golden und jede interpunktion ist silbern schimmernder filz. es fehlt nichts, sie sagen mach schon, aber ich traue mich nicht, ihnen zu erklären, dass ich nicht häkeln kann.

und ich will es tausendmal sagen und öfters: ich hab dich im kopf. manchmal auch darunter.

reine faktenauflistung dieser woche, weil worte allein durch fliegengitter sickern, fakten sich allerdings festhaken.
- der kleine prinz gelesen und mich wieder darin verliebt
- arno geigers "es geht uns gut" gelesen. einige schöne stellen und viel zu viel füllmaterial, das ich gern ausrupfen würde, weil ich es nicht mag, mit zusätzlichem balast zu leben
- alle sieben wellen gelesen, übernächtigt gewesen dabei und es als gerade recht empfunden, sehr leicht, sehr einfach. ja.
- ein sommernachtstraum & das wintermärchen von shakespeare, beides geliebt und beides ab und an gehasst. ich wünschte, wir würden heute noch so reden, ich wünschte, heute wäre ein wort genau das und nicht nur eine leblose hülle, die zu verschönern kaum einer mehr versteht
- halbzeitfest gehabt und irgendwo im rhythmus muss mir meine scham abhanden gekommen sein, sie brach unter tausenden füßen und ich habe mir nicht die mühe gemacht, morgens die vielen puzzelteile wieder aufzusammeln
- zeugnis bekommen und mich wund geredet nein, es ist doch verdammt egal, welche noten ich habe. es gibt wirklich wichtigeres. ich frage mich, wo mein stolz geblieben ist. mag sein, die gewohnheit hat die münze umgedreht, weil er brökelte wie alte hauswände
- redensART workshop besucht, gelesen, geschauspielert, viel ich gewesen, geredet, gelacht und meine nähte geöffnet, hinausgeschlüpft und staunend gesehen, dass ich glühe und mit mir alles andere
- dvd-abend mit meinen mädels gefeiert, den halben abend verredet, dass sich anstelle von drei filmen nur noch einer ausging
- rankweil bei nacht sehend, heute dann, die sterne zählen wollen und hören, ob sie auch für mich flüstern, mir sagen die kamera nicht vergessen, meine liebe und mich wundern, dass es nicht genügt, zu schauen und mir im nächsten atemzug sagen zu schauen genügt nie, zu sehen allerdings schon. ich muss so viel lernen, und immer ein wenig traurig sein, weil es eigentlich heißt: ich muss so viel wieder erlernen
- die argumentation zum schulsystem für jene politiker geschrieben, nie die motivation gefunden seit einem monat und gestern, im glühfäden um mich wickeln, da war sie da. drei seiten, schriftgröße 7,5, schriftart verdana. ich bin stolz darauf, es ist gut, ich glaube sogar, es ist mehr als das. heute überarbeiten und dann abschicken. glücklich über die chance, die sich mir bietet. gehört zu werden, gelesen zu werden. oh ja.
- poetry slam besucht, irgendwo versucht mich anzutasten, an diese zu persönliche ebene und diesen platten humor. aber wohl wahr, diesbezüglich werde ich noch länger beobachterin bleiben, mir scheint, würde ich die seiten wechseln, käme der gedanke auf, ich trüge meine nase zu hoch. und das ist das letzte, das ich bezwecken will.
- und ansonsten das übliche. geschrieben, nichts, das mir besonders gefällt, dafür in meinem randnotizenbuch von gestern um zwei uhr nachts eine vier seiten lange notiz, sobald ich zeit habe, darin steckt nämlich ein stück leidenschaft, die mir bisher fehlte, um wieder mehr als sehr gut zu sein. klavier & gesang gehabt, beides wundervoll.

8.2.09 11:26


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wir hingen am kreuz wir hingen am wort*

nur losgeschnürte töne versiegelen uns die brustkammern mit polystyrol. 
sie sagen: damit da nichts hinunterfallen kann und flicken die löcher mit silberfolie; darin spiegeln sich unsere rhythmen. 
sie meinen: damit da alles am richtigen fleck bleibt und schneiden mir mein herz im schmetterlingsschnitt, öffnend und wundleckend bleibt es da. am richtigen fleck. 
sie lachen: das wird schon und reichen uns wurzelsalz, das sich im gewebe verhakt.


sie lecken die musik in risse, molltöne beißen sich in die knochen und im kopf ein klangfeld, das wir mit unseren wimpernschlägen umkreiseln.  und der herzschlag klebt an akkorden wie am wort, beide klingen aufgeschürft. allerdings an den falschen stellen.
ich bin von der sprache an den rand getrieben, kerbe ich mir mein lachen in den kaffeefleck einer buchseite. 18. dort die süßigkeiten brechen und sich die flüssigkeit ans zahnfleisch tupfen. über den wellenden punkt streichen, die fremde daraus lesen: das buch parallel erzählen lassen.

"und erst wenn ich
im dunkeln deine haut bemale
glaubst du mir meine fingerspitzen"

in kerzenwachs seine wünsche verriegeln, wie die himmelslaternen hochsteigen, drei kürbisse in der luft, dass dort ein geruch von kinderzeigefingern in der flachen hand bleibt. nur das. und ich atme licht auf meine schatten. frühlingserwachen auf meiner haut, dort wo ich sie mir rot schabe.

würde gerne sagen: meine augen wühlen nach dir und dich meine meere erraten lassen, diese aufeinandergestapelt; dann tauch ein. aber es sind nur schneehäuser, wie ich galant schneeflocke an schneeflocke reihe und doch weiß; denn der nächste sommer kommt bestimmt. hätte ich auch nur ein streichholz, ich würde züngelnd  deine lippen anzünden, um mich daran zu verbrennen; und baue mir rosenmauern um meine winter herum, dass ich kalekos sagen im ohr habe: solange uns die dornen nur auch weiter rosen tragen.
__________________________________________________________________

                                  

                                  und ich bin mir

I
frostlese und
I
hand voll schnee


sie reichen doch        nicht
für einen winter;       näher
II
leuchttürmen dort im schmelzwasser ihren schatten getaucht

so
lzieht mir die kälte wieder alle uhren auf







__________________________________________________________
* josé f.a. oliver in unterschlupf

2.2.09 19:37


es kommt der abend und blau wird es in deinen augen

ich fühle mich wie die weiß eingelegte linie auf der lilafarbenen sonderausgabe von emily brontes "sturmhöhe". kreideweiß, man kann die pixel nicht herausgreifen; sie sich nicht auf mobilés kleben, die man in der hand halten kann, so klein sind sie; meine sterne und monde brächen an deinen fingern, wenn du so wolltest. mit nacht umgossen, ich greife mir den winter aus rauen wangen;, schließe ihn in else lasker-schülers vertonten gedichten ein, summe ich träume so leise von dir.

weiß hängt die seide
schon über meinen augen
warum hast du nicht um mich/die erde gelassen - sage?

es ist die sprungstelle in der stetigkeit, variabel ungleich sieben [tage]. ich setze an, die kohle bricht am papier zur finsternis, wir denken, lieber linear als exponentiell und wir wissen: es ist nur ein warten auf die nächste sprungstelle, denn fahrig tasten die finger nach metallsprüngen, dort, wo sie uns laub streuen, dass das knacken von gedanken uns pochend uns dann später zum licht tanzt. dann, wir mienen: später.

deine schimmernden nächte
sind aufgeblüht

ich male mich mir um die brust, schnüre die weiße kreide ein; wenn ich mich strecke, verschwimmt der horizont, pulverwandelnd bindet mir das morgen die augen himmelwärts, dass die gelenkskapseln mir an den kanten meiner linie reißen: blutergüsse; ich lese aus ihnen ein schimmern und ein geschmack von emily dickinsons gedichten, die im dämmerlicht sich zwischen vorhängen erhängen und ich kann nur denken: der blick eingeglast. vielleicht: eingegleist.

meine seele rauschte
als dein mund es mir gestand

wir spielen blinde kuh miteinander, rasierklingen schneiden uns die augen in die dunkelheit, hier wandeln wir ins spurlos, fliegengitter schneiden die welt zum puzzelspiel, jene glüht. ich lese: dein kopf. schweigen. er leuchtet. er blendet mich. wie schwebeteilchen im augen, davor auch; ich sehe einfach hindurch, wie teig ausrollen und mit verfransten kugelausstechern formen hineinstechen.

aber warum zittert all mein herz
vor deinen himmeln

ich zünde drei kerzen an: mein herz entzündet meine himmel; ein gedanke an brennene hochzeitskleider und zerschellen von glaskuppeln am boden. aus feuer forme ich mondblumen; ich verrate niemandem, dass sie nur nachts glitzern.


______________
Gekelcht
Du tauchst den blick in meine haut
Durch seine hohlräume fällt dein atem
Moosgekitzel an mauern als die uhr noch
Auf halb voll stand: es sind nur
Funken in den schlagschatten deiner wimpern
Dort male ich im dunkeln
Dein zittern leuchtet deinem lachen blindfäden
26.1.09 12:17



das licht warf verwischte sonnen auf die weiße wand; ich zählte die blümchen auf der leselampe. zwölf. meine stimme wie rauch und abgewetzter samt. ab und an wie vanille. und der abend wie rosagepunktete kapern, dass ich hätte lächeln müssen und jedem sagen: sie sehen aus, ein bisschen nur, wie tränende herzen, die früher, dort wo die finger in mauern bildern suchten, die blüten geteilt haben, den duft stickte man sich in die poren der fingerspitzen, ab und an verlor man eine masche. ein gefühl von loslassen und aus der luft, die zu brennen schien, töne formen.
am ende warst du sogar komödiantin. es war wundervoll. du hast dich losgelassen, du hast es genossen. und du warst so natürlich. zauberhaft.
und ein lächeln wie schweden, das ich mir im ersten akt unter die haut legte; es war ihr gesang, der mir träume an die fenster klebte und dieser hauch von nichts, wenn sie die augen schloss. sie sang, als sei ihr körper klang, ihre lippen und ihre augen, als sei alles an ihr musik.



uno
"hattest Du, ich darf doch Du sagen?... jemals Sprach- und Rhetorikunterricht? nicht? Ein Ausnahmetalent, muss ich dann wohl sagen, sehr berührend. Habib hat mir ja deine Texte geschickt, ich habe sie dann meiner Klasse vorgetragen, eine meiner Schülerinnen ist heute sowieso dabei, die anderen konnten leider nicht, allerdings hätte ich mir gedacht, dass es sehr schön wäre, wenn du in unserer Schule einmal lesen würdest."

zwischen den zeilen ihre gestik und mimik, die nicht aussahen wie schweden, sondern wie paris. eine ehre. ja.
und im kelle unten mich zwischen den bildern verloren, die farben eingeatmet und mir gedacht: jetzt, jetzt atmest du nie wieder aus.
leise sagte sie: wir haben hier unten auch schon gesungen. helia und ich. es hallt hier so schön, ein gefühl von überweltigend. einfach so.


"die größten ängste der menschheit sind nicht jene vor der eigenen kleinheit, sondern jene vor der eigenen größe. ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat. meine mich schwach erinnern zu können, dass es nelson mandela war, aber ich mag mich irren."


quatro 
"es gibt wirklich nicht viele Autoren, die ihre Texte selbst lesen können, aber bei Ihnen, da... sagen Sie, nehmen Sie Schauspielunterricht? Nicht? Oh. Sollten Sie allerdings, das steckt ja unglaublich viel Talent dahinter. Ihre Komposition aus dieser jugendlichen Stimme, die Leute anspricht [...] und dann diese lyrische Stimme, [...], ich lese viel, allerdings gab es da einiges, wovon ich mir dachte: oh, das habe ich noch nicht gehört und das ist wirklich ein großes Kompliment. Sehr reife Texte, wunderschön. Wir bleiben in Kontakt, ja? Ich würde sehr gerne mit Ihnen an Ihrer Rhetorik arbeiten, wenn Sie Lust hätten."

glaskuppelhaus, da haben sie mich hineingesteckt und hinter mir die tür geschlossen. an den wänden hängen pappschneeflocken und in den bäumen draußen kann man den frühling hängen sehen. mein blick scheint mir muschelbesprenkelt.
und heute halte ich mich am liebsten im salon auf, wo sich das sonnenlicht an den fenstern bricht und die weingläser farbig leuchten.

It seems only yesterday I used to believe
There was nothing under my skin but light
If you cut my I could shine
billy collings

unter meiner haut liegt nichts. nichts außer licht und literatur und musik. und dann dieser moment, in dem man sich mit licht und literatur und musik häutet und da nichts bleibt, außer ein meer voll demselben. die blicke in die luft tauchen, den atem schnüren und den samt querstreifen. die nachdenklichkeit aus den gesichtern lesen. tonbrennerin. mag sein.

18.1.09 11:19


aus: wo wir das rauschen patentieren
der morgen übt sich am rot
du singst von vorgestern
der tau bleibt im gras hängen/bis
wohin reichen deine lieder

 

dort
eine apathie: wir halten die stimmgabeln gegen unser stirnbein, sein lächeln ist kantig, ein a mildere das kopfweh und leise schneiden die klaviertöne mir meine nachdenklichkeit zu papierfliegern, ich streiche die kanten glatt. ich staple meine wörter in leere bierkisten. später liegen blütenblätter auf den häuptern; wir knacken die hülsen mit unseren zähnen und hoffen, dass sie nicht hohl sind.

wo
wir unsere stimmen beugen, sagt er, man kann sie auch brechen. wir singen uns fliegengitter, hinter denen wir verbrauchte atemluft vermuten. ich sage wenn ich groß bin, will ich sie ganz singen. die löcher mit genetiv und akkusativ auffüllen, zimt darunter mischen.

wir
sehen mich im spiegelbild, cremen jedes einzelne muttermal mit vanillebodylotion sein, weil wir genau wissen, dass selbstzweifel und selbstdruck wie melanome sind.

an
nachtkulissen zerschneiden wir uns die stille im leinenwälzen, wir sehen: eine plastiktüte die im blättertanz fliegt, die backsteinwände küsst, wo wir glauben, den weißen kleister nachfahren zu müssen [die fingerkuppen teilen sich am rot. würden sich teilen], und immerzu sein sagen manchmal glaube ich, an der ganzen schönheit der welt zerbrechen zu müssen. wir waschen die farben mit unseren tränen, das salz zersetzt sie, glauben wir, aber glaube ist manchmal nur ein hoffen.

lavendel
schichten wir über das nichtwissen; sprache selbst ist derart ungenau: ein rundherumschreiben um pinienkerne zu teilen: genau hier sammeln wir tausend und ein lächeln. wir laufen am eis auf, ein weihnachtsbaum am flussrand [dort schichten sich also der dezember]; ich merke mir eure gesichter nicht und eure namen kenne ich nicht: ich werde nie aufhören zu denken: ich wüsste gern, wovon ihr schweigt.

riechen
können wir den frühling nur zwischen ästeknacken und sonnenuntergang, aber fühlen kann man ihn viel länger. die müdigkeit bricht mir die fingergelenke, die blicke gehen tiefer, ich frage wieso bin ich nicht glücklich und suche im morgen eine unbefangenheit//ich kann sie aus calcit lesen.

wie motten um die leuchtröhre
brechen tonkulissen am jochbein/dort
spüre ich mich täglich wieder
der blick in tusche gelegt; tauchen wir ihn
wohl dann in salzsäure
schimmelbauchige haut und mein unantastbares
ich möchte mich ober unter halten/andersherum
bricht das schiff den nebel nicht

11.1.09 14:28


tauch mir die worte in himbeersirup und leck sie mir ans zahnfleisch

snow patrol - set fire on the third bar
james morrison - broken strings
 

un
gefühl nach einem winterspatziergang und die hände greifen in der luft, und klauben worte, die sich dort verloren, ich frage mich, wer gerade an mich denkt, ein lächeln, das werfe ich in den fluss, der schnee knirscht, ich streiche der stille über die wirbelsäule, weil ich dort immer irgendwo flügel vermute. nur um sie ihr auszureißen, weil dann zum ersten mal jemand wäre, den man verlassen könnte.

deux
dieses gefühl nach einem winterspatziergang male ich mir mit tusche auf meinen bauch, ein zitat aus "alles glück kommt nie" im kopf: der bauch ist das erotischste einer frau und dazu lächeln, sich selbst zu schön finden und auf dem rückweg im kinderkarussell fahren, in gemeinsamen fotoalben blättern.

trois
um drei uhr nachts aufwachen, apfelsaft im schneidersitz trinken, dem teppich seine abzweigungen raufen und der dunkelheit ein raubtiergleiten dazurechnen. im bett zwischen wachseinsträumen reißt eine gitarrenseite und sich hinsetzen, leise yesterday anspielen, die gerissene seite abnehmen und unters kopfkissen legen. mit einem D einschlafen und mit einem D aufwachen. D-Dur.

quatre
wir erinnern uns:
an sommerende, an "dem himmel die weiten schneiden", an luft in himbeergläser füllen, weil man es sagt, durch distelblumenfelder rennen, sommerkleider schwingen und die finger in schnee halten, an diese zartheit des verliebtseins, einer zärtlichkeit, mit der sich töne ins trommelfell haken, an finger, die übers schlüsselbein tippeln und dort eine spur von parfum in sich zählen.

cinq
die sonne, blass wie ein mond, scheint auch hier in diesem land, wo wir das fremdsein zu ende kosten.
und genau jene fremde lege ich mir um die schultern, in tropfsteinhöhlen tropfe ich mir ins ohr, dort gerinne ich in der luft und klaube mich aus den ecken.

six, sept, huit, neuf
da bleibt nicht, das man neu anmalen müsst. die sehnscht, der selbstdruck und der ehrgeiz leuchten in neonfarben wie eh: im labyrinth sitzen, das ist, wie wörter aus maschendrahtzäunen zu befreien, ihnen die wunden zu säubern und die hände zu halten bis der tod kommt und sie mitnimmt, dorthin, wo man das fremdsein nicht einmal zu anfang kosten muss, wo der sonne tagtäglich die glühwürmchen ausgewechselt werden und der mond in der nacht den sternen ein lächeln schenkt. dorthin. und nichts anderes: sie zum lächeln zu bringen, diese kleinen worte, diese buchstaben, die man in der flachen hand halten könnte. lächeln, schlafen und schreiben. neapel sehen und sterben. ich will mein neapel sehen. ich habe verstanden: leben, um davon zu erzählen.

la éternite
ich muss mindestens neunzig werden. um die nächste totale sonnenfinsternis im deutschsprachigen raum zu erleben.
sagen wir: neunundachtzig. [3. september 2081]

wie lange dauert eine ewigkeit?
zu oft gesagt in den letzten tagen: hörst du, hörst du, ich will nicht achtzehn werden, ich will nicht, ich kannnicht.
ich reiche euch allen rücken, damit ihr beide hände frei habt um mit mir für vierundzwanzigstunden die zeit anzuhalten. weil es gut tut, sie fließen zu lassen, sich zu wünschen, sie würde endlich vergehen, das ticke der uhr unter die fingernägel häufen und dort zu horizonten brechen.

 

nicht was wir gelebt haben, ist das leben.
sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen.
[gabriel garcía márquez]

5.1.09 21:12


gefühlte drei zitronenblätter bis zum frühling

ich
fünf tage. burgenland. wie worte in tinte tauchen.
dort im osten schichtet man die luft dicht an dicht und liest schnee zwischen gräsern, wo ein lächeln auf fotoglanzpapier klebt. die finger schreiben sich taub, ein wenig ein taumeln ein bisschen so halb in trance. zehn stunden zugfahrt. plus wartezeit. man greift in wolken den eigenen atem. und abends tauchten wir die blicke ins blei. wir schmelzen unsere erinnerungen und formen uns neue in kaltem wasser. ungesagtes schiebe ich in die manteltasche, ein stück himmel vielleicht: wir sind formenleser. chinchin. am himmel küssen sich sterne, die wir uns bunt malen.

singe
es gibt tage, da fühle ich mich mir fremder als an anderen.
heute ist ein anderer.

ich streue brotkrümel, wo sie von hänsel und gretel erzählen: was bin ich mir?

dich
ich will den frühling umarmen und der stille krücken reichen um die arme frei zu haben. es ist, was es ist, sagt erich fried. das heißt aber nicht, dass es auch so bleiben muss, sagt nicole kidman in "australia".

zu
worte zu glas formen und sie am boden brechen lassen, sagen sie und binden mir die augen dorthin, wo die kälte sich in hautschichten beißt. ich habe angst, sag mal, wie ungeschickt können wohl mädchenhände beim puzzeln sein und aristoteles im kopf: das ganze ist mehr als die summe seiner teile. aus rauch lässt sich keine nähe klauben: an die wand die rote farbe, ich möche euch schalten, wo ihr mich berührt. euch. und eure worte. fakeln zerschneiden die finsternis, unter mir der zerbrochene beton, ihr lachen: du bist eine kerzenflüsterin  mein sagen: und wenn ich nur noch licht sehe, nur noch eine einzige flamme und mich nicht mehr, ist das dann... gut? es fehlen fünf worte und in baumkronen hängt der frühling, gib mir mein lächeln zurück, das ich glaubte, nicht mehr zu brauchen.

mir
wer seid ihr, dass ihr glaubt, mir meine identität vormalen zu müssen//wer seid ihr, dass ihr euch anmutet, mich ausmalen zu können, wo ihr doch nichts anderes seid als ein dominospiel: wenn ich einen von euch zu fall bringe, fallen alle gleichgesinnten. lose schraffiert: wer würde stehen bleiben?


mal mir die angt auf ein buntes papier: ich will sie durchstreichen.

edit:
ich bin so blöd. ichbinsoblöd. ichbinsoblöd. und in diesem falle darf man die blödheit wohl naivität nennen. himmel, ich muss mir morgen regenbogenfarben kaufen gehen um das ganze rosa zu übermalen. und ichbinsoblöd.

1.1.09 22:02


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