zitronenfalter

völlige spontanität, eine 15 minutenarbeit, vielleicht etwas weniger oder mehr. & einfach so. 

zitronenfalter

du bist hellgrün, goldig an den ecken und in der mitte ein verwaschenes zitronengeld. ja, das bist du, ein zitronenfalter.

anfangs/rastlos.
frühlingserwachen an meiner haut. darunter ein ursprungsmotiv von durchleuchtetem rot und tonhascherei. du diskutierst nicht, wenn du betrunken bist und ich nicht, wenn ich's nicht bin. sagt er; wenn seine augen wässrig sind, irren seine lippen an meiner haut. pfefferminzlikör und noch so zwei, drei tage schlieren wir unsere haut im sonnenuntergang. er tastet mir die wirbelsäule nach flügel wund. bleib. bleib. am heißen beton verbrenn ich mir die füße, er greift nach mir, legt seinen kopf an meine brust, das ohr am schlüsselbein. wenn wir lange schweigen, vergesse ich, wo mein körper aufhört und seiner beginnt.

später dann/geblieben.
eg dich zu mir. er streckt die hände nach mir aus, schließt die augen; er hält sein weinglas mit beiden händen, dreht den rand an seiner unterlippe. ich ziehe mich aus, ich weiß, dass er mich hört. die zähne des reißverschlusses, die hose, die ich über den stuhl hänge. ich greife nach seinen händen, lege seine finger an die knöpfe meiner bluse, er macht die augen auf, schüttelt den kopf. seine schritte auf dem boden, er löscht das licht, dunkel. so seh ich dich nicht mehr, sage ich. er kommt zu mir, das geräusch des aufknöpfens meiner bluse, das ich nur fühle und nicht höre. im dunkeln vergesse ich mir die augen, sagt er, und erst im dunkeln erlaube ich sie mir überhaupt.
im rückspiegel am nächsten tag fische ich nach seinem blick. als er mir ins netz geht, fährt er seine krallen aus und schneidet die seile durch, schneidet sich tief in meine haut.

das wohnzimmerlicht verzeichnet sein gesicht von vorne. deine schmalen schultern, sagt er, du bist so leicht, so klein, er hängt seine stimme in die luft. ich wiege den kopf, setze mich zu ihm ans klavier, er spielt barfuss, ich kenne das lied nicht, es verläuft sich auf dem weg von seinen fingern zu meinem ohr. ich erreiche die töne nie ganz, sie gehn mir an den fingerspitzen verloren, sagt er später. sein blick geht durch mich hindurch.

er stellt die kamera auf selbstauslöser, lege ihm die hände auf die augen, höre das klicken des auslösers. was machst du, fragt er. ich stelle mir vor: ich falte meinen blick in ihn hinein und falte ihn dort aus.ich lache, er lacht mit, welche augenfarbe habe ich.  ich zucke zusammen, nehme die hände von seinen augen, lege sie über meine. welche augenfarbe habe ich, frage ich. er greift nach meinen händen, ich drücke sie fest an meine lider. braun, sagt er, braun.  ich kenne dich gar nicht, mein gott, ich kenne dich gar nicht, sage ich, meine stimme ist wie ein ausgehöhlter ton.

er steht nackt vor dem fenster; ich lehne mein kinn an seine schulter, atme in sein ohr. wann kennt man jemanden. er dehnt das fragezeichen, bis es zu einem punkt zerreißt. er dreht sich zu mir um, zieht ein halstuch aus seiner hosentasche, bindet es mir um die augen. wenn du so meine augenfarbe immer noch kennst? kennst du mich dann? schritte am fußboden, das knirschen des bettes. welche farbe, sagt er. blau, aber gestern wusste ich nicht, dass-/welche farbe, sagt er, wartet. ich denke in atemzügen. einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. irgendwann: ich nehme das halstuch von meinen augen, lösche das licht. violett,  ein bisschen rotstichig. dunkelblaue kreisel eher rechts, gerippt am rand. ich kann dich aufschneiden. und innendrin ist ein klangfeld, man sieht nur licht. die töne entziehen sich dir nicht, sie ziehen sich in dich zurück. eine kurze pause. ich sehe dich nicht, sage ich, aber ich weiß, dass du lächelst.

6.4.09 20:25
 


Werbung


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hermann Josef / Website (7.4.09 09:43)
Sehr innig, sehr sinnlich, sehr fein ... aus der Ferne (ich bin zur Zeit im Bayerischen Wald in einer Rehabilitation) grüsse ich Dich von Herzen und wünsche schöne Ostertage.
Hermann Josef


k. / Website (8.4.09 20:01)
das ist wunderschön. ehrlich.
[ karo.pio@web.de ]


rabenflug / Website (9.4.09 11:32)
sehr schön geschrieben


/ Website (9.4.09 11:39)
zeit nehmen,
welche zeit?
ich habe keine zeit mehr.
es ist vorbei.
mitternacht ist herzzeit,schön formuliert aber mitternacht ist die zeit,in der man schlaflos ist,wo herzen zerissen werden.
wie sie wie falter gegen den mond fliegen.
ich habe kein zeit mehr.
ich habe ihn womöglich zum letzten mal gesehen-
flaztterhaft du?
ein kompliment?


Zukini (10.4.09 14:28)
Es wirkt sehr nah, Herz, es drückt sich an die Brust und man spürt es flattern. Ich mag es <3

Vor allen Dingen das Ende, denn deine Texte wissen zu sehr, meistens und dieser weiß gerade richtig.

Schöne Ostertage.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen


CREDITS: the vision ; yvi ; icon
Gratis bloggen bei
myblog.de