rotstich

la lueur de l'aube
im rückspiegel fische ich nach dem licht, als es mir ins netz geht, ersticht es mir die augen. lese von straßen die tautropfenen grashalme, lege sie mir an die haut, um nur einmal fasern zu sein. im spiegel schielt mir der blick, schlierig taste mir den körper wund, die luft riecht nach salz, hier möchte ich das knacken von muscheln aufnehmen, ob es wohl sehr anders klingt, wenn meine knochen knacken?

la lumière rouge
ich reiße die luft auf, um dahinterliegendes aufzudecken, doch die luft hat nicht nur eine haut. die erste ist mir zersprochen, ich verliere mich zwischen den kommata. mir ist der gedanke an tag und nacht abhanden gekommen, dort wo die leere unterhalb des schlüsselbeins klafft, sähe ich die samen der sprache, doch war ich (ihr) nie ferner, nie nackter, dass mir scheint, mein körper muss dort aufhören, wo die sprache in mir wurzeln schlägt.

coucher du soleil
an meinen wangen taste ich nach kiemen, vertockneter sauerstoff wird zum anfeuern verwendet, womöglich klaube ich ihn später verbrannt heraus. aus meinem lächeln ziehe ich das glück und verkaufe es an bordsteinkanten. ich möchte mir meine stimme bei tonformung einmal aufschlitzen, nur einmal soll sie bluten, man sagt, die dinge seien sterbend am schönsten, am reinsten.

la lueur de la lune
ich halte das fenster in händen und plötzlich ist dahinter kein himmel mehr, mit den fingern kratze ich mir wolken ins glas. und dort, wo sich abends das zimmer verspiegelte, klafft ein offenes loch. zugluft. nordwind. ich spanne eine wäscheleine darüber und hänge meine worte zum trocknen auf, womöglich riechen sie dann ein wenig nach mir entkommen.

la lueur de l'aube
wenn ich lange schweige, weiß ich nicht mehr, wonach meine worte klingen. wenn ich lange rede, weiß ich nicht  mehr, wonach meine worte schweigen. lungernd im dickicht einer tagnachtbrücke, wann sie mir wohl wegbricht? ich sehne mich nach rumgetränktem samt gedanken, die ich zerschneide, um das wenige, das da noch ist, auszukratzen. ich schreibe mir "ich" auf die stirn, verschreibe mich und weiß des spiegelbilds "hci" nicht zuzuordnen.

le macchabée
die nächte verbrennen sich am kerzenwachs, bei morgendämmerung kratzt man das schwarz von den kleinen körperchen, schwarz fällt der schnee:
die morgen fallen wie erschossene vögel ins gras. dazwischen brechen mir die worte, ihr knacken kann ich nicht zuordnen, womöglich ein wenig wie muscheln, ein wenig wie knochen. denn der frühling erhängt sich im kirschblütenbaum.

du sagst, reden ist wort, schweigen ist keines.
komm; wir falten beides auf,
schau, wie kiemen klappen wir beides zur
seite hin weg. und dann sag mir noch einmal:
reden ist wort, schweigen ist keines.


22.4.09 17:25
 


Werbung


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marie / Website (22.4.09 19:33)
schweigen ist eine etwas stillere art wort und momentan hab ich einfach zu viel davon glaub ich. manchmal denke ich, es hängt mir vielleicht nur vorm mund, aber wenn ich schicht um schicht beiseiteschiebe, dann ist da nichts, ist da gar nichts. ich fühle mich so gläsern gerade, weißt du?
erschossene vögel. ja.
im ohr nur die arien der königen der nacht.
zu viel an einen menschen zu denken ist nicht gut, vor allem, wenn dieser selbiges nicht umgekehrt tut.
habe grad ein wenig zu wenig worte.

gruß. kuss. krokuss.


Marie / Website (23.4.09 21:42)
Naddy?
Das hier, das ist so wundervoll:
http://www.youtube.com/watch?v=Uf6HC9xN7Wo&feature=channel_page

<3


Zukini (24.4.09 08:51)
Höre schlechten Hip-Hop und lese traurige Worte, die ja garkeine mehr sein wollen, weil sie dir nicht Rum genug sind und nicht Himmel genug.

Anspruchsvoller Naseweis du.
Die Fremde hallt aus, irgendwann, spür dir nicht nach, spür dich. Und suche nicht nach Worten, die deinen Brustkorb füllen könnten, da, wo du Leere vermutest.

Ich wünsch dir Leben, Mädchen, unklares, und undefiniertes Leben, ohne Gerüstbau im Hintergrund.

Die Worte kommen, wenn du bereit bist, sie gehen zu lassen.

Mit Zuneigung <3


k. / Website (26.4.09 12:43)
maliarda, ich will dir in flaschen freude schicken. ich habe davon so viel, dass es mich überfordert und mir wehtut...
ich wünschte, ich könnte weniger leer schreiben.... mit meiner unzufriedenheit sind mir auch meine worte abhanden gekommen.

[mein vater sagte, der rhododendron im garten erinnert ihn an sie, wie sie laut lachend hereinkam, den riesigen blumentopf in den armen und ich konnte nur daran denken, dass wir sie zurücklassen mussten, ganz allein in ihrem winzigen sarg mit den vielen blumen und den vielen tränen und dem kirschblütenregen...]

du schreibst wunderschön. und die musik treibt mir tränen in die augen. darf ich fragen, was es ist?
was ich eben von dir las, war so ziemlich das beste, was ich von dir kenne.
ich beneide dich um deine worte.
k., in gedanken irgendwo ganz nah.


/ Website (27.4.09 21:46)
deine einträge sind interessant
und sie klingen für mich, als sei dieser
blog ein puffer für deine hohe intelligenz.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen


CREDITS: the vision ; yvi ; icon
Gratis bloggen bei
myblog.de